Es grünt so grün...
[Bilder vom
06.07.07]
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Schon gemerkt? Das Design
meines Blogs hat sich geändert! Das luftige Blau des Himmels über Französisch
Guyana ist einem auffällig militärischen Grün gewichen - ein Wechsel der sich
nicht nur auf den Hintergrund hier, sondern auf mein ganzes momentanes Leben
auswirkt. Die letzten Jahre hatte ich zwar Ruhe, doch ich musste letzten Donnerstag wieder mal einrücken...
...und somit geht's auch gleich recht helvetisch in die erste
Photorunde!
Wirklich wahr. Nachdem mich die Armee das letzte Mal im 2003 zum Schneeschaufeln beim Lauberhorn-Skirennen aufgeboten hatte, danach fieserweise meine Einheit, das Geb S Bat 12 (also das Gebirgs Schützen Batallion 12, auch genannt "Schitzä Zweufi" - sozusagen die geheime Armee Nidwaldens) aufgelöst und mich in einen komischen Personenpool geschubst hatte in dem ich nun für Jahre untergetaucht war, kriegte ich letzten September wieder mal einen Liebesbrief vom Vatter Staat (Rechtschreibung absichtlich so krumm...). Nein, eigentlich ging's schon ein paar Monate früher los, im sprichwörtlich dümmstmöglichen Moment überhaupt - aber das erzähle ich Euch später mal, denn es verdient ausgiebig erklärt zu werden.
Nun stehe ich also wieder
mal recht farbenfroh in einem typisch uncharismatischen, blockigen
Kasernenareal. Herisau ist eine der ältesten und dementsprechend grottigsten
Kaserne der Schweizer Armee (ganz im Gegensatz zur tollen, sehr neuen Kaserne in
Gossau SG, in der ich den Rest des Dienstes abusolv... absolvozu... zu abvol...
FERTIG zu machen habe). Wir erinnern uns: Herisau war die Kaserne, die damals
mal Schlagzeilen machte als Asylanten sich weigerten, die lottrige Bude zu ihrem
temporären Heim zu machen. Aber eben, für uns Schweizer Landesverteidiger
reichts ewig. Logo. Kein Problem.
Oh, "farbenfrohes Tenue" ist natürlich eher auf die Anzahl Farben meines Tenues
bezogen, nicht aber auch dessen tatsächliche Buntheit, die da eben gezielt
fehlt. Zu meinem Unbehagen ziert mich mein TAZ (Tarnanzug für nicht-Militante)
mit ganzen vier Farbtönen, obwohl doch der eben veröffentlichte Moderatgeber für
diesen Sommer maximal 3 Farben vorschreibt. Naja, jeder Mensch wird eh zum Wurm,
steckt er in der Unifurm...

Hier also die besagte Kaserne Herisau - von aussen ganz passabel, aber fiese 5
steile Stockwerke hoch - und wir Unteroffiziere natürlich
gaaanz oben unterm Dach. Und wenn man den ganzen Karsumpel mal studiert, den ich
(genau eine Person) so rumschleppen tu, dann
kriegt man doch fast ein klein Bisschen Mitleid, oder?
Ja, wirklich war: der ganze Haufen ist meine Ausrüstung! Vier Effektensäcke (links), davon einer gefüllt mit Schuhen, einer mit lebenswichtigen persönlichen Utensilien wie Unterhosen, Schoggistengeli und Laptop, und zwei mit sogenanntem Korps-Material, also während dem WK gefassten "lebenswichtigen" Sachen wie Leuchtagamasche, Schlafsackunterlage, Schlafsackwinterhülle (im Juli...) Schlafsack (ein zweiter zusätzlich zum persönlichen, der rechts auf dem Grossen Rucksack angeschnallt ist), Entgiftungspulver, Handaxt, Taschenlampe, Schutzmaskenfilter, A-Zelt inklusive Pflockset, Tarnanzug, ICS (unser Chemie-Schutzanzug - tatsächlich das besten in dieser Sparte das international erhältlich ist -aber ein schweres Unding zum rumschleppen), und so weiter, und so fort... Dann noch Kampfrucksack mit Regenschutz Komplett (Jacke, Hose, und Grisu, also Feuerwehrhelmförmiger Regenmütze), dem Grossen Rucksack mit meiner Kälteschutzausrüstung (immer noch Juli), Doppeltasche mit Putzzeug und der "geliebten" Gamelle, Grundtrageinheit mit der umstrittenen Taschenmunition, Kriegsfilter, Schutzmaske, reichlich Farmers und Schoggistengeli, Bajonett, Feldflasche und Pamir (das ist hier kein Gebirge sondern ein Schalengehörschutz). Und natürlich die Bleipumpe, das Stgw 90.

Tja dementschprechend zerknittert schaut er denn auch drein, der
Wachtmeister Schindler. Naja, wird schon werden...
So, nun aber zum Programm:
Am Donnerstag Morgen eingerückt, kurze Einführung zum Dienstbetrieb, dann eben
das genannte Material Fassen, Essen, und schon ging's los auf den Schiessplatz
wo wir gleich wieder scharf mit Sturmgewehr und nicht ganz scharf mit
Markier-Handgranaten (die machen dank Knallfrosch nur Bümmsli anstatt Bumms),
und am Abend Repetition der AC-Ausbildung und Sanitätsdienst. Am Freitag
weiteres Schiessen, unter anderem mit neuen Gefechtstaktiken die ich noch nicht
kannte und die auf Erfahrungen der Briten im Irak beruhen, sowie nun auch der
scharfe Handgranatenwurf.
Letzteres ist mir immer wieder mulmig: ich renne einfach nicht gerne mit zwei
hochexplosiven Sprengstoffkugeln auf Gürtelhöhe durch die Pampa, denn die Dinger
können einem den Tag ganz schön vermiesen wenn falsch eingesetzt oder wenn der
Ring irgendwo anhängt. Wir haben es aber mal wieder alle überlebt und
schliesslich ging's dann zur Kaserne Neuchlen bei Gossau, unserem WK-Domizil.
Hier wurden wir in die Kompanie 1 der Infanterie RS 11 eingegliedert. Aufgrund
eines glücklichen Zufalls und sofortiger, cleverer Reaktion von mir wurde ich
dem "Rückwertigen" zugeteilt, also jenen Leuten die in der Kaserne diversen vor
allem logistischen Aufgaben nachkommen währen die anderen Unteroffiziere draussen im Feld
Rekruten schleifen.
Netterweise konnten wir dann schon am Freitag Abend abtreten - somit war wenigstens der Samstag Morgen gerettet, haha!