Sternbild Waage
[Bilder
vom 04./05.05.07]
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Damit
Ihr nicht nur schöne Bilder anschauen müsst sondern auch noch was lernt hab ich
Euch hier mal zusammengestellt, was wir alles so mit unserem Laub treiben bevor
wir es im Bach versenken.
Freitag und Samstag waren wir nämlich fleissig: wir haben 356 Laubproben vorbereitet, was 615 einzelnen Einwaagen entspricht.

Als erstes zum Einstimmen nochmals unser Arbeitsplatz! Am Wochenende ist da echt
tote Hose und wir haben per Bewegungsmelder
mehrmals den Alarm ausgelöst – scheinbar wollen die Franzosen nicht das geplagte
Doktoranden und PostDocs am Wochenende arbeiten!
Die Security nahm’s aber gelassen und lies die komischen Schweizer
weiterschaffen. Und rechts der Bibliothekstrakt im Grünen…
Gut, nun
aber zur Arbeit selbst! Als erstes muss das getrocknete Laub erst mal
vorbereitet werden. Da wir mit Einheiten von 5g arbeiten, aber eine möglichst
repräsentative Laubmenge verwenden wollen, schneiden wir grössere Blätter in
zwei Hälften. Somit haben wir dann pro Probe nicht etwa nur ein, zwei Blätter
einer Art (die halt einzeln stark unterschiedlich sein können), sondern dann
mehrere Stücke von mehreren verschiedenen Blättern, was die „durchschnittliche“
Blattqualität besser einfängt.
Die Blätter werden dann in genau definierten Portionen eingewogen, so dass eine
Gesamtmenge von 5g pro Probe/Laubsack kommt. Wenn also vier Arten in einem Sack
verwendet werden müssen pro Art 1.25g eingewogen werden. Mathematisch einfach,
praktisch aber knifflig, denn man sieht den Blättern nur schlecht an wie schwer
sie sind!

Links schneidet ein sichtlich erfreuter Stephan gerade Blätter zu während rechts
Andy gerade dabei ist , Laub einzuwiegen und die
Gewichte gerade im Laptop abzuspeichern, während ich das eingewogene laub dann
auf die Proben verteile…

…und so sieht das Laub dann aus der Nähe aus.

Damit wir später auch wieder erkennen was wir wohinein gepackt haben muss das
ganze natürlich beschriftet werden (l.). Das geht ganz
einfach: Etiketten vorbereiten, gespiegelt auf Hellraumprojektorfolie
ausdrucken, von hinten mit Klebeband bekleben um den Toner zu
schützen, zuschneiden und beipacken. Der Code auf den Labels identifiziert
hierbei das Laubsäckli (z.B. Sack 101 beim Etikett links
oben), die verwendeten Laubarten (hier Art A und Art C), die Maschengrösse des
Sackes (C steht für „Coarse“, also grobmaschig), und
schliesslich eine Zahl für den Block (die 2 bedeutet hier das das Säckli in den
zweiten von fünf einzelnen Stellen im Bach landen soll).
Und in solchen Alu-Schalen wie rechts wird das Material, also Etikett und
eingewogenes Laub, zur Weiterverarbeitung gelagert.

Dass das Ganze natürlich nichts mit Ferien zu tun hat (einfach dass das auch
allen wirklich ganz ganz
klar ist) soll das linke Bild mit Laub im Vordergrund und einem ziemlich
„verseichten“ Kourou im
Hintergrund deutlich dokumentieren. Auch ich mache natürlich fröhlich mit beim
Laubschnibbeln (r.)!

…und mache aus kleinen Blättern noch kleinere
Blätter!

Schliesslich werden die einzelnen Laubportionen in Plasticksäcke
eingefüllt, in denen sie kurz vor dem Einpacken in die echten
Laubsäcke noch benetzt werden (das wird wahrscheinlich nächsten
Montag passieren). Dies machen wir um das Material weich zu
kriegen – nichts ärgerlicher als spröde Blätter, die beim Einfüllen in
die Laubsäcke zersplittern und durch die Maschen fallen!

Gut, natürlich macht so was auch Hunger und selbst genügsame (*hüstel*) Biologen
müssen verköstigt
werden! Am Freitag kochte Stephan uns ein leckeres Menü aus Fisch, Auberginen
und Kartoffeln (l.).
Der Phototrick mit „Schau mal hier!“ funktioniert doch jedes Mal. Und den
Schnappschuss rechts darf
ich leider nicht kommentieren, sorry...
Leider war die Gendarmerie die uns einen Abend zuvor den verschobenen Ariane 5-Raketenstart frisch angesagt haben mit ihren Informationen nicht sehr genau: wir planten um 19:49h am Strand von Kourou dem Spektakel beizuwohnen, aber die Rakete wurde entgegen den Infos der Polizei bereits um 19:30h gezündet und unterbrach uns beim zweiten Gang. Wir konnten sie aber trotzdem vom Hinterhof betrachten, doch leider gab’s auf meiner Digicam nicht viel Schlaues her. Cool war’s aber auf jeden Fall! Brummelt ziemlich, so ein Ding! Ich habe versucht den Start auf Digicam-Video zu bannen, das wurde aber nicht sehr imposant. Deshalb hier kein Video, ätsch!

…und diesen hier möchte ich nicht kommentieren. Ach, ok. Also
dies ist nun Samstag, und nach zwei anstrengenden Tagen geniesse
ich einen ti’Punch am Pool. Ein ti’Punch ist ein lokales Laster das
aus 1/5 Zuckerrohrsirup, 4/5 Rum und ein, zwei Schnitzchen
Limetten besteht. Um, und der weisse Ranzen ist ein Relikt aus
dem Winter in der Schweiz.

Draussen Essen war dann angesagt, bei angenehmsten Temperaturen, kühlem Bier,
Poulet-Flügeli und Reis. Hmfein! Sehr klebrig und
süss, genau wie’s sein muss bei Chicken-Wings Schindi-style…
Zum
Ausklang des Abends schwamm ich unter einem klaren Sternenhimmel noch ein paar
Runden im Pool und schaute dabei den Riesenameisen zu, die um den Schwimmtümpel
herum eine Schnellstrasse einrichteten. Irgendwie ganz gemütlich hier, zumindest
wenn man keine Ameise ist! So lässt sich’s leben!
Und für Sonntag ist eine weitere Exkursion in den Dschungel geplant: Ob wir nun
einen optimal geeigneten Bach für unsere Versuche finden werden? Oder sehen wir
vor lauter Wald die Bäume nicht? Treffen wir vielleicht auf eine dieser fiesen
Vipern? Wie nass werden wir dieses Mal werden? Ist meine Hose eigentlich schon
wieder trocken?!?
Oh, nass war meine Hose natürlich wegen dem Regen! Nicht dass Ihr da jetzt wieder denkt und so…